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Waldinseln im Dünenmeer - eine Naturgeschichte

St.Peter-Ording war eine Insel im Wattenmeer. Genauer: Ording und St.Peter waren kleine Siedlungen auf der alten Insel Utholm, die erst im 15. Jahrhundert mit den östlich gelegenen Inseln durch Deiche zusammengeschlossen wurde. So entstand Eiderstedt.

St.Peter-Ording ist auch heute noch eine Insel - eine Waldinsel! Man kann sie nicht mehr mit dem Schiff erreichen, an seine Stelle tritt ein kleiner Nahverkehrszug, der die 45 Kilometer lange Strecke von Husum nach St. Peter-Ording in ebensoviel Minuten zurücklegt. Die größten Erhebungen in dieser flachen Marschlandschaft sind die im 19. Jahrhundert von den Holländern eingeführten riesigen Bauernhäuser mit Reetdach - die Haubarge - und die unzähligen Kirchen. Wald wird man auf der Reise nicht sehen. Die einzigen größeren Baumgruppen stehen als Windschutz um die Haubarge. Erst auf halber Strecke erkennt man im Westen schwarze Silhouetten. Bei genauerem Hinsehen zeichnen sich da am Horizont Baumkronen, die Umrisse eines Waldes ab. Nach 40 Kilometern fast baumloser Ebene steht hier unvermittelt ein Wald - die Waldinsel St.Peter-Ording. 

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Jeder Reisende, der die großen Buchenwälder Rügens, die Mischwälder der Mittelgebirge oder die Nadelwälder der Gebirge kennt, wird nach dieser Ankündigung enttäuscht sein über die paar Bäume, die nur 90 Hektar bedecken. Doch es handelt sich um einen ganz besonderen Wald. Er ist sehr jung, erst im letzten Jahrhundert gepflanzt, um dem Wind seine Kraft zu nehmen und die Dünen zu befestigen. Es ging damals nicht darum, den Kurgästen eine angenehme, windfreie Laube zu schaffen. Antrieb war vielmehr die Sorge um das eigene Haus und Feld, das von einer Wanderdüne "verschluckt" zu werden drohte. Die Aufforstung der Dünen an der sonst waldlosen Westküste sollte die zerstörerische Kraft der Dünen bändigen. Wer nie gesehen hat wie ein kräftiger Westwind innerhalb weniger Stunden mehrere Tonnen Sand von den Stränden aufs Land treibt, wird kaum nachvollziehen können, daß die Menschen an der Küste nicht nur Sturmfluten fürchteten. Das ursprüngliche Aussehen der Westspitze Eiderstedts ist in alten Berichten überliefert. 1795 schreibt der Theologe Friedrich Karl Volckmar über die Dünen in einem anonym verfaßten Werk über Eiderstedt:  

"Man glaubt sich, wenn man aus dem eigentlichen Eiderstädt und Everschop, in diese Gegenden Utholms kommt, plötzlich aus den lachenden Gefilden und fruchtbaren Fluren in die Sandwüsten Arabiens oder in die tatarische Steppe versetzt zu sehn: so öde sieht das Land hier längs den Dünen aus. Der grüne Teppich des Marschbodens verschwindet; und eine winterliche Weisse, aus der nur hin und wieder sparsam ein dürres Hälmchen kümmerlich hervorbricht,… deckt den Erdboden. - Wenn man von andern Orten hin, in diese Gegenden kommt, wandelt man unaufhörlich in einer Sandwolke, die unsre Kleider und Augen beständig voll Sand weht."

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Besonders der Ortsteil Ording verlor mehr Land durch Übersandung als durch die Sturmfluten. Im Laufe der letzten 400 Jahre wurden zwei Drittel des ursprünglichen Ordinger Gebietes von den Dünen begraben, die sich, vom Westwind getrieben, ins Landesinnere wälzten. Das Meer folgte erst später nach. Die Kirche mußte in dieser Zeit dreimal neu gebaut werden. Eine Gedenktafel erinnert an den Standort der zweiten Ordinger Kirche, die ... heute im Sommer 300 Meter vom Deich entfernt ...steht.

Doch die Dünen aufzuforsten, war kein einfaches Vorhaben. Es hatte schließlich seinen Grund, daß sich hier von Natur aus keine Bäume anzusiedeln vermochten. Der beständig kräftige Westwind, die damit verbundene starke Austrocknung des Dünenbodens, die Unbeständigkeit des Lebensraumes und das Salz der nahen Brandung würden die Ansiedlung heimischer (norddeutscher) Baumarten im wahrsten Sinne des Wortes schon im Keim ersticken. Also ging man anderswo auf die Suche nach Bäumen, die diesen harschen Bedingungen widerstanden. Man fand sie zum Teil in den Alpen. Nach manchen Fehlschlägen zeigten sich nur wenige Arten als besonders widerstandsfähig: Unter den Kiefern eine Unterart der langnadeligen, dunklen Schwarzkiefer, die aus den Ostalpen und den Karpaten stammt, sowie die in den Alpen und Pyrenäen beheimatete Bergkiefer. Unter den Fichten behaupteten sich, mehr schlecht als recht, vor allem Arten wie die Sitka-Fichte von der nordamerikanischen Pazifikküste oder die Omórika-Fichte aus Südosteuropa. Nur im Windschatten dieses "internationalen" Waldes finden wir heute auch die heimischen Kiefern und Fichten. In den feuchteren, aufgeforsteten Dünentälern gedeihen Birken und Erlen. 

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Die Fichten haben noch heute schwer zu kämpfen, ihre Kronen sind untrügliche Zeichen der vorherrschenden Windrichtung. Sie sind nicht nur wie die Weiden Eiderstedts nach Osten geneigt, nein, die Westseite der Baumkronen entbehrt jeglicher Zweige, als ob der Stamm in der Mitte gespalten wäre. In meiner Kindheit war hier bei den Ordinger Fichten die dunkelste Stelle des Waldes, vielleicht sogar der dunkelste Ort Eiderstedts. Nicht einmal am Tage fanden die Sonnenstrahlen den Weg durch das dichte Nadelwerk. Es gab keinen besseren Platz, um sich Gruselgeschichten zu erzählen. Inzwischen haben viele dieser Fichten ihren Geist aufgegeben, weisen nur noch als graue Skelette zum Himmel, oder wurden von heftigen Stürmen entwurzelt.  

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Ein Weg im Ordinger Wald führt hinauf auf eine Dünenkuppe. Während man im geschützten Wald unter den schirmförmigen Kronen der Schwarzkiefern nichts vom Wind spürt, nichts von der salzigen Luft der Brandung riecht, werden die Bäume hier kleinwüchsiger und der Wind kräftiger. Die Luft ist von einem Duft erfüllt, der die immerhin noch über einen Kilometer entfernte Brandung erahnen läßt. Schließlich wird der Blick frei auf ausgedehnte Vorländer und Strände. Es ist der einzige Abschnitt an der Westküste, den nicht Deiche, sondern Dünen vor Sturmfluten schützen. So zäunte man die Dünen auch schon sehr früh weniger aus Naturschutz- als aus Küstenschutzgründen ein. Die trittempfindliche Vegetation festigt mit ihren Wurzeln den Dünensand und verhindert so die Erosion durch Wind und Wasser. Schon 1826 schickte der Herzog von Schleswig ein Militärkommando zum Schutz der Dünen nach Ording, das die armen Ordinger Bauern daran hindern sollte, ihr Vieh in die Dünen zu treiben und den Strandhafer zum Decken ihrer Dächer zu benutzen. Es war zunächst nicht einfach, die einheimische Bevölkerung von der Dringlichkeit des Dünenschutzes, der ja gleichbedeutend mit dem Küstenschutz ist, zu überzeugen. 

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Ab 1864 wurde die Westspitze Eiderstedts aufgeforstet: Es entstand das erste größere Gehölz an der Westküste Schleswig-Holsteins. Die Ordinger, noch immer nicht überzeugt von Dünenschutz und Dünenbefestigung durch Aufforstung, schickten ihre Schafe und Ziegen immer wieder in die Dünen, von denen sie aus Küstenschutzgründen ausgegrenzt worden waren. Das Verhältnis zur Obrigkeit war nicht gerade gut, nahmen sich die Militärs in den Dünen doch auch oft Freiheiten heraus, die sie den einheimischen Bauern verwehrten: Noch um 1900 rebellierten die Einheimischen gegen die Absperrungen und rissen die Stacheldrähte ein. Schon 10 Jahre später fand der Wald in den Dünen den Zuspruch der ersten erholungssuchenden Gäste, deren Geld ein Ende des tristen Daseins in St.Peter verhieß. Plötzlich priesen die Ordinger "ihren" Wald.  

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Der Wald in St.Peter-Ording fasziniert nicht nur Menschen. Auch für ziehende Singvögel, die sich an der Küstenlinie orientieren, ist er von großem Interesse. Wie einige Watvögel prinzipiell nicht hinter den Deich fliegen, so lassen sich die meisten Singvögel nicht auf den feuchten Wattflächen nieder. Bei starkem Sturm werden sie so zu "island hoppers", die von Insel zu Insel oder Hallig zu Hallig fliegen. Die aufgeforstete Westspitze Eiderstedts ist bei dieser strapaziösen Reise ein sehr attraktiver, windgeschützter Rastplatz.  

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Während des Zweiten Weltkrieges wurden in den Dünen, versteckt hinter den Bäumen, Geschütze und Radargeräte als Teil des "Atlantik-Westwalls" aufgestellt. Immer wieder stößt man auf alte Betonfundamente, Sockel oder einen tiefen Brunnen. Im ersten Nachkriegsjahr war Eiderstedt weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten, die Eisenbahn war noch nicht wieder in Betrieb, und die britische Verwaltung hatte die Halbinsel zu einem riesigen Gefangenenlager umfunktionert. Der Brennholzbedarf konnte nicht mehr wie früher alleine durch das am Strand angespülte Holz gedeckt werden. So wurde eine begrenzte Zahl von Bäumen als Brennholz freigegeben. Noch von den Großeltern verschmäht, machten sich die Bäume nun auf ganz konkrete Weise bezahlt. Durch das Herausschlagen, die zu unterschiedlichen Zeiten stattfindenden Aufforstungen und den Windwurf starker Stürme entstand in St.Peter-Ording auf kleinem Raum ein Mosaik unterschiedlichster Altersstufen und Artenzusammensetzungen. 

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Strand, Wald und Wasser lockten immer mehr Menschen an die Westspitze Eiderstedts, die sich den Charakter einer Insel bewahrt hat, obgleich sie auf dem Landweg zu erreichen ist. So entwickelte sich das Armenhaus Eiderstedts zum reichen Nordseeheilbad. 1956 stieß man zufällig auf die drittstärkste Schwefelsolequelle Europas und konnte sich nun Nordseeheil- und Schwefelbad nennen. Inzwischen ist St.Peter-Ording der größte Fremdenverkehrsort der Westküste ... 

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Heute erinnert nicht mehr viel an die von Friedrich Karl Volckmar beschriebenen Sandwüsten. Eine grandiose Dünenlandschaft von vielen Kilometern Ausdehnung ist verschwunden; ihre Reste sind in großen Teilen aufgeforstet mit fremden Bäumen und Sträuchern, die die heimischen Hungerkünstler unter den Pflanzen verdrängen. Die wenigen verbliebenen naturnahen Dünentäler werden zudem durch Nährstoffeinträge aus der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten so sehr gedüngt, daß auch hier viele Pflanzen bald ihren Platz an nährstoffliebendere Arten abtreten müssen.

Doch diese Aufforstung der Dünen war mehr als nur ein fragwürdiger Eingriff, der Natur kurzerhand zu einem technischen Bauwerk gegen Wind und Wellen machte. Sie schuf den Schauplatz mancher Kindheit, war Ort der Stille an einer sturmumtosten Küste und viele Nordseebäder verdanken ihr ein typisches Landschaftsbild- die Waldinseln im Dünenmeer. 

 

©Thorsten-D. Künnemann 

für die Strandpost St. Peter-Ording

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